Wollerau wählt: Fünf Frauen für drei Sitze

Frauen-Power in Wollerau: Für die zu verteilenden Sitze in der Gemeindebehörde kandidieren gleich fünf Frauen – und keine Männer. Zu diesem Anlass organisierte diese Zeitung am Dienstagabend im Verenahof in Wollerau ein Wahlpodium, bei dem sich die Bevölkerung ein genaues Bild der Kandidatinnen machen konnte.

Robin Furrer, Höfner Volksblatt, 27. März 2026

Die Kandidatinnen: (v. l.) Désirée Schneider und Cinzia Vitale für den Rat sowie Franziska Zingg und Sonja Böni für das Präsidium (auf dem Bild fehlt Pascale Baumgartner). Bild: rfu

Die Kandidatinnen

Zwei Gesichter waren an diesem Abend bereits bekannt: Sonja Böni (SVP) und Franziska Zingg (FDP) sind bereits Gemeinderätinnen und kandidieren für den Sitz als Gemeindepräsidentin. Der dadurch frei werdende Sitz im Gemeinderat wird erst später wieder besetzt.

Cinzia Vitale (SVP) und Désirée Schneider (IG FWW) sind hingegen neu. Die beiden kandidieren für den Gemeinderat, in dem zwei Plätze zu vergeben sind. Wirklich frei wird im Gemeinderat eigentlich nur ein Platz, der zweite Sitz von Pascale Baumgartner (FDP) steht turnusgemäss zur Wahl. Somit wäre es Baumgartner an diesem Abend auch gewesen, die besonders ins Kreuzfeuer geraten wäre. Schliesslich steht ihr Sitz auf dem Spiel.

Soweit kam es an diesem Dienstagabend aber nicht, Pascale Baumgartner musste sich kurzfristig krankheitsbedingt vom Podium abmelden.

Moderiert wurde der Abend vom Chefredaktor dieser Zeitung, Martin Risch, und Redaktor Andreas Knobel. Bevor Risch mit den zwei Gemeinderatskandidatinnen Vitale und Schneider startete, fragte er das Publikum, wer noch nicht wisse, wen sie wählen würden. Etwa ein Dutzend Hände gingen in die Höhe. Das änderte sich zum Schluss des Podiums noch.

«Kurz, knackig, effizient»

Beide sind mit ihrem Beruf schon gut ausgelastet, wie Schneider und Vitale sogleich erzählten. Risch fragte nach, wieso Schneider und Vitale bereit sind, ihre Freizeit zu opfern. «Nach vielen Jahren in Wollerau will ich etwas zurückgeben», sagte Vitale. Das sieht Schneider ähnlich: «Wir leben an einem schönen Ort, und das wird mir jedes Mal bewusst.» Beide betonten, dass sie von ihren Arbeitsstellen unterstützt würden. Dies sei also bei beiden kein Problem. Bei der Frage, was sich in Wollerau ändern muss, damit die Gemeinde attraktiver werde, waren sich Vitale und Schneider so gut wie einig: Wollerau ist bereits attraktiv, finden beide. «Gross etwas ändern müssen wir nicht, sondern nachbessern», sagte Schneider, «und für die Jungen schauen.» Vitale brachte zudem ein Thema ein, das Wollerau schon länger beschäftigt: den Verkehr. «Irgendwo staut es immer», sagte Vitale. Zudem findet sie, für den älteren Teil der Bevölkerung könne man den einen oder anderen Platz ausarbeiten.

Abschliessend fragte Risch, welchen Führungsstil die beiden als Gemeinderätin leben würden. «Ich habe es gerne kurz, knackig, effizient und schnell», sagte Schneider. Sie rede nicht gerne um den heissen Brei herum. Vitale hingegen sei keine «Micromanagerin». Heisst, sie würde die Leute arbeiten lassen und erst einschreiten, wenn etwas nicht laufen würde.

Diplomatische Äusserungen

Nach Schneider und Vitale traten die beiden Kandidatinnen fürs Präsidium nach vorne: Sonja Böni und Franziska Zingg. Wie bereits erwähnt, sind die beiden schon als Gemeinderätinnen tätig und wissen bereits, wie das Geschäft läuft. Dementsprechend stach Moderator Andreas Knobel etwas direkter hinein und wollte wissen, wie sich die beiden voneinander abheben.

Weder Böni noch Zingg getrauten sich zunächst, in die Offensive zu gehen und äusserten sich diplomatisch – auch vor dem Hintergrund, dass die beiden auch künftig im Rat weiter zusammenarbeiten müssen. Bei einer Nichtwahl möchten Böni wie auch Zingg im Gemeinderat bleiben. «Abheben finde ich keinen schönen Begriff», sagte Böni. «Es ist kein Abheben von andern, sondern Probleme gemeinsam lösen.» Dem folgte Zingg auch: «Ich denke nicht, dass ich in Konkurrenz treten muss. Am Ende sind wir ein Gremium, wir müssen zusammen eine Lösung finden», so Zingg.

Nur jemand kann gewählt werden

Mit diesen Aussagen gab sich Moderator Knobel aber nicht zufrieden und hakte nochmals nach: «Es kann ja nur jemand von euch gewählt werden», so Knobel. Dies schien den Stein ins Rollen gebracht zu haben. «Für mich spricht, dass ich schon länger dabei bin und die Ressorts ein wenig besser verstehe», sagte Zingg. Sie könne aus der Vergangenheit profitieren. Das brauchte Böni sogleich als Angriffsfläche und zog eine Parallele zur Wirtschaft: «Wenn man zu lange in einem Betrieb ist, wird man betriebsblind», sagte Böni. Das viele Wissen könne man sich schnell aneignen, ist sie der Meinung.

Dauerthema Verkehr

Während des Gesprächs kam immer wieder das Dauerthema Verkehr auf, der in Wollerau aufgrund des Bahngleises mitten im Dorf stets ins Stocken gerät. Zingg erkenne, dass das Problem nicht weniger werde: «Es werden Leute zuziehen, die ebenfalls Autos haben.» Als Gemeinderat könne man das Problem aber nicht selbst lösen, sagte Zingg. «Das Volk muss am Ende entscheiden.» Sonja Böni fügte dazu: «Kommunikation ist alles, wir müssen für die Bevölkerung transparenter werden und sagen, woran wir dran sind.» Und zum Schluss: Was wünschten sich die beiden für die Gemeinde? «Ich wünschte mir eine Fee, die den Verkehr regelt und Wohnungen, die bezahlbar sind», sagte Böni. Zingg fügte an, dass sie in der Zusammenarbeit zwischen Gemeinderat und Bevölkerung zum Teil Misstrauen feststellt. «Ich wünsche mir, dass wir am Vertrauten arbeiten können.» Am Ende fragten die Moderatoren nochmals in die Runde, wer nun noch immer nicht wisse, wen sie wählen würden. Diesmal ragten deutlich weniger Hände in die Luft. Scheint so, als hätte das Podium für Klarheit gesorgt.

Quelle (Paywall): https://www.hoefner.ch/2026/03/27/wollerau-waehlt-fuenf-frauen-fuer-drei-sitze/

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert